brandenburg
Datum: Donnerstag, 4. April 2019
Ort:Brieskow-Finkenheerd, Landkreis Oder-Spree, Brandenburg
News-Nr.: 29813

Nager wird zunehmend zum Problemtier:
Biber breiten sich immer mehr aus und sorgen für Schäden – Straßen werden untergraben und sacken ein, Keller durch steigenden Grundwasserspiel aufgrund von Biber-Staudämmen feucht, Wälder verändern ihr Erscheinungsbild – Kommunen geraten in Kostenfalle und befürchten: „Es könnte so kommen, dass wir für Vereine oder Kindergärten weniger Geld zur Verfügung haben.“

Alleine in 2.500 Seelen-Kommune liegen die Kosten für Straßenreparaturen aus den letzten drei Jahren bei 100.000 Euro – Tier zur Wende ausgesetzt und besitzt keinerlei Fressfeinde – Landwirte leiden unter nicht mehr nutzbaren Flächen – Immer mehr Kommunen in Ost- und Süddeutschland stehen vor Problemen - Amtsdirektor mahnt und wünscht sich deutlich mehr Unterstützung von der Politik – Wir haben ihn bei der Bestandaufnahme in seiner Gemeinde begleitet – Drohnenbilder zeigen Schäden eindrucksvoll aus der Luft

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DatumDonnerstag, 4. April 2019

Ort:Brieskow-Finkenheerd, Landkreis Oder-Spree, Brandenburg

 

(ch) Die schmucke Gemeinde Brieskow-Finkenheerd am Rande der Bundesrepublik ist eine beschauliche Region, die eng mit der Natur verbunden ist und nach wie vor geprägt ist von dicht bewachsenen Wäldern. Doch dem geschulten Auge fällt auf, dass sich dieses Landschaftsbild in den vergangenen Jahren verändert. Und das nicht immer zu positiven. Denn seit bald drei Jahrzehnten hat sich immer mehr ein neuer Einwohner in der Region angesiedelt und fühlt sich immer mehr heimisch. Insgesamt 3.500 Biber leben mittlerweile in Brandenburg, damals zur Wende ausgesetzt, nachdem er fast ausgerottet war. Und weil diese quasi keinerlei Fressfeinde haben, vermehren sie sich immer mehr. Blieben die Nagetiere früher im Wald verborgen, sorgen sie nun immer mehr für Reibungspunkte mit dem Menschen. 

Danny Busse kann hiervon ein Lied singen. Er ist Amtsdirektor und dafür zuständig, dass alles in der Kommune rechtmäßig verläuft. Dazu gehört auch die Sicherung von Verkehrswegen, was die Verwaltung jedoch vor zunehmende Herausforderungen stellt. „In den letzten drei Jahren haben wir für Verkehrssicherungsmaßnahmen über 100.000 Euro ausgeben müssen. Geld, das an anderen Stellen fehlt“, formuliert es Busse vorsichtig. Denn der Verursacher aller Probleme ist der Biber. Dieser genießt sein Leben derart, dass er Felder und Straßen untergräbt, bis diese absacken und zur Gefahr für Autofahrer werden. So musste kürzlich der Fürstenberger Hauptweg, eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den Dörfern, für mehrere Wochen gesperrt werden, nachdem auf einigen hundert Metern mehrere Bibertunnel unter der Straße entdeckt wurden. Alleine diese Maßnahme hat ein Loch von 20.000 Euro in die Stadtkasse gerissen.

Und das ist längst nicht die einzige Sorge. Denn die Wälder gleichen teilweise mehr den Niagara-Fällen. Wo einst kleine Rinnsale flossen, haben sich mittlerweile eindrucksvolle Seen aufgestaut, welche auch den Grundwasserspiegel haben ansteigen lassen. Mit gravierenden Problemen für die Anwohner, die plötzlich nasse Füße im heimischen Keller bekamen. Bäume liegen kreuz und quer, blockieren teilweise die Wege.

Doch wie bekommt man die Tiere wieder los? Abschießen ist nicht ohne weiteres möglich, da Biber unter Artenschutz stehen. Präventionsmaßnahmen wie Bibermatten bringen auch wenig Erfolg. „Dann dann suchen sie sich einfach eine Stelle ein paar Meter weiter und graben dort“, zuckt Busse mit den Schultern und mahnt zugleich: „Es könnte so kommen, dass wir in bestimmten Bereichen, wie Vereinen oder Kindergärten weniger ausgegeben werden können.“ Denn vom Land fühlt er sich im Stich gelassen. „Ich mache dem Biber keinen Vorwurf, sondern eher den Landesvätern, die hier dieses Treiben dulden, ohne wirksame Rechtsgrundlagen schaffen und uns alleine lassen.“

Eine Aussage, die Undine Schubert nicht ganz nachvollziehen kann. Sie ist seit 2015 die offizielle Biber-Beauftragte des Landes und reist regelmäßig durch Brandenburg, um betroffenen Kommunen oder auch Privatpersonen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Wir haben den Sieben-Punkte-Plan mit der Biberverordnung, die regelt, wann die Tiere vergrämt, entnommen oder gar in Ausnahmefällen getötet werden können“, erklärt sie, fügt aber auch an: „Schäden werden nicht finanziell ausgeglichen, sondern man kann sich für Präventionsmaßnahmen fördern lassen.“ Eine Unterstützung, die für Busse zu wenig erscheint, denn er warnt klar: „Ich befürchte, dass wir uns da mittelfristig verausgaben und kaum noch Gelder für andere Sachen übrighaben.“ 


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