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Montag, 11. Februar 2019
Dragenkreuzung an der B188 bei Gifhorn, Niedersachsen
News-Nr.: 29399

"Es ist schon eigenartig, dass so etwas in Deutschland noch passiert":
Linkabbiegerspur hinter Bahnübergang an viel befahrener Kreuzung muss wegen zu kurzer Schranke bis auf Weiteres fast komplett gesperrt werden - Pendler stehen täglich im Stau - Verkehrswacht spricht von "Schildbürgerstreich"

Schranke ist laut Eisenbahnkreuzungsverordnung etwas mehr als einen Meter zu kurz und sperrt daher nicht die komplette Abbiegerspur ab - Neu benötigte Schranke hat Überlänge, so dass eine besondere Genehmigung notwendig ist - Bahn teilt schriftlich mit, dass man die ausstehenden Genehmigungen "zeitnah" erwarte - Bahnübergang wurde erst Anfang 2018 aufwändig umgebaut und war vorher ebenfalls nur mit einer "kürzeren" Schranke versehen, jedoch störte sich niemand daran - O-Töne mit genervten Anwohnern sowie dem Geschäftsführer der Verkehrswacht

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Datum: Montag, 11. Februar 2019

Ort: Dragenkreuzung an der B188 bei Gifhorn, Niedersachsen

 

(ah) Der Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht spricht von einem "Schildbürgerstreich" und die Meinung vieler betroffener Anwohner ist einhellig: "Das ist ein Chaos und eine Frechheit!", "Da fehlt einem jegliches Verständnis!", "So ein Quatsch!" und "Es ist schon eigenartig, dass so etwas in Deutschland noch passiert!". Der Grund für die Verärgerung ist ein Bahnübergang kurz vor der viel befahrenen Dragenkreuzung an der B188 bei Gifhorn. Hier musste eine Linksabbiegerspur weitgehend gesperrt werden, weil festgestellt wurde, dass der Bahnübergang mit einer Schranke versehen ist, die schlicht und einfach zu kurz ist. Es fehlt etwas mehr als ein Meter, so dass die Schranke zwar die Geradeaus- und die Rechtsabbiegerspur komplett sperrt, die Linksabbiegerspur aber nur zu rund zwei Dritteln.

Die Eisenbahnkreuzungsverordnung ist hier eindeutig: Das ist so nicht erlaubt! Die Spur muss von der heruntergelassenen Schranke vollständig abgesperrt werden und da dies nicht der Fall ist, ließ die Bahn sicherheitshalber einen Großteil der Spur dauerhaft sperren. Der Linksabbiegerverkehr muss daher die Geradeausspur benutzen und kann erst kurz vor dem Abbiegen auf eine verkürzte Abbiegerspur fahren, wodurch es täglich, besonders zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag, zu Verzögerungen und Staus kommt. Pendler müssen lange Wartezeiten oder Umwege in Kauf nehmen und sind entsprechend genervt.

Lutz Dietrich von der Kreisverkehrswacht Gifhorn ist überrascht, dass man bei sich bei der Bahn nun so genau an die Vorschriften erinnert: Der Bahnübergang hatte schon längere Zeit größere Probleme verursacht und wurde - nach mehreren Verzögerungen - schließlich Anfang 2018 von der Bahn umgebaut. Vor dem Umbau befand sich dort jedoch auch ein nur zehn Meter langer Schrankenbaum.  "Es hat sich aber kein Mensch darum gekümmert, ob die Richtlinien eingehalten wurden und nach dem Neubau müssen Sondergenehmigungen eingereicht werden, weil eine Elf-Meter-Schranke gebraucht wird, die vorher auch nicht installiert war", so Dietrich. Zudem lief die Planung vorab und man hätte sich auf die Breite der Fahrbahn einrichten können

Die zu kurze Schranke wurde Anfang Februar bei einem Unfall zudem beschädigt, knickte ab und hing in der Ampelanlage fest. Der Verkehr musste daraufhin manuell von der Polizei geregelt werden und es kam zu noch längeren Staus. Am Folgetag wurde ein neuer Schrankenbaum eingebaut, allerdings wieder in der selben Länge wie zuvor. Der Verkehrsbehinderungen reduzierten sich vom völligen Infarkt nach dem Unfall wieder auf das ganz normale Chaos.

Auf Nachfrage wollte man sich von Seiten der Bahn nicht vor der Kamera äußern, die Lage wurde jedoch kurz schriftlich dargestellt: Es soll nun ein Schrankenbaum mit einer Länge von elf Metern verbaut werden, was jedoch eine Überlänge darstellt, für die eine spezielle Zulassung notwendig ist. Zum weiteren Ausblick hieß es kurz: "Es stehen noch einige Genehmigungen aus, die wir zeitnah erwarten."

Was letztlich "zeitnah" genau bedeutet und wie lange ein zuständiger Sachbearbeiter für Eisenbahnkreuzungsverordnungen eine Genehmigung für eine Schranke mit einem Meter Überlänge prüfen muss, ist für einen Pendler im Stau mangels Erfahrungswerten sowieso völlig unklar und so bleibt am Morgen für alle Linksabbieger auf der Dragenkreuzung bis auf Weiteres nur die Hoffnung, dass vor ihnen im Stau viele Geradeausfahrer stehen...

 


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